Archäologische Sommer-Akademie PRIENE

Eine idealtypische hellenistische Stadt

In hellenistischer Zeit war Priene noch eine Hafenstadt am Nordrand der Schwemmebene des Mäanderflusses. Diese besterhaltene griechische Polis wie aus dem Lehrbuch bot damals bis zu fünftausend Menschen Heimat, Schutz und Obdach.

 

Die Besiedlung von Priene (nach der Aufgabe einer Vorgängersiedlung) begann im 4. Jahrhundert v. Chr., in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts v. Chr. waren dann fast alle wichtigen Gebäude fertiggestellt.

 

Beinahe zur selben Zeit aber verschütteten gewaltige Erdmassen – sie lösten sich nach einem Erdbeben von der nahegelegenen Teloneia-Felswand – fast ein Drittel der Wohngebiete, und ein anschließender Brand verwüstete weitere Bereiche der Stadt.

 

Doch das Leben ging weiter - in wechselnden politischen, gesellschaftlichen und sozialen Verhältnissen. Erst mit der Eroberung durch die Türken gegen 1300 endet schließlich der Nachweis für die Besiedlung der inzwischen Sampson genannten Stadt.

1868/69 legte Richard Popplewell Pullan das Athenaheiligtum von Priene weitgehend frei. Dieser aufwändigste Einzelbau der Stadt wurde vom Architekten Pytheos geplant. Auf einer seiner Anten ist eine Bauinschrift für Alexander den Großen eingemeißelt, der den Bau unterstützte, als er sich auf seinem Eroberungszug gegen das Perserreich  334 v. Chr. in Ionien aufhielt.

 

Die systematische Ausgrabung großer Teile der Stadt begann jedoch erst 1895 durch den deutschen Archäologen Carl Humann - auch als Entdecker des berühmten Pergamonaltars bekannt. 

 

Die wichtigsten antiken Gebäudetypen vom Athena-Tempel bis zum Buleuterion, dem städtischen Versammlungshaus an der Agora, sind bis heute zumindest in ihren Grundmauern gut erhalten. Von den über zwanzig zum Teil sehr gut erhaltenen Theatern Westkleinasiens hat allein das Theater von Priene die hellenistische Form bewahrt. 

 

Folgerichtig steht Priene bereits seit 2018 auf der Anwärterliste für die Aufnahme in die Liste der UNESCO Weltkulturerbestätten. Nun erfolgt der nächste Schritt - der Hauptantrag ist bereits in Arbeit.

Das gegenwärtig arbeitende gemeinsame Grabungsteam der Universitäten Uludağ Universität Bursa und der Goethe-Universität Frankfurt am Main steht unter der Leitung von Prof. Hakan Mert und Privatdozent Dr. Axel Filges.

 

Unter den Erdschichten präsentiert dabei sich den Wissenschaftlern eine Momentaufnahme des damaligen Alltagslebens: Mannigfaltige Keramik, Münzen, Schmuck, zierliche Möbelbeschläge, kleine Terrakotta- und Marmorfiguren.

 

Neben den aktuellen Grabungen steht vor allem der Erhalt des antiken Erbes im Fokus der deutschtürkischen Anstrengungen. Denn die einzigartigen Bauwerke von Priene sind durch ihre Ausgrabung wieder den klimatischen Bedingungen ausgesetzt und müssen durch behutsame Konvervierung geschützt werden.

 

Vorstellung Archäologische Sommer-Akademie PRIENE

Immer mehr wird es Standard, daß sich der Wissenschaftszweig Archäologie und die Bürgergesellschaft gemeinsam um das Vermächtnis der Antike bemühen.

 

Ab September 2020 können nun geschichts- und archäologieinteressierte Personen alljährlich an der „Archäologischen Sommer-Akademie PRIENE“ teilnehmen. 

Der einwöchige Termin bietet tägliche theoretische und praktische Einführungen in moderne archäologische Arbeitsbereiche - Fundbestimmung, Grabungsfotografie, Keramikkunde, Vermessung, Experimentalarchäologie und mehr. Hinzu kommen etliche Begehungen und Führungen im erweiterten Stadtgebiet von Priene. Bei den gemeinsamen Surveys mit der Grabungsmannschaft sollen sogar bisher unbekannte bauliche Strukturen der antiken Stadt entdeckt werden - Schliemann läßt grüßen! 

Aufgrund der gegenwärtigen Gesetzeslage in der Republik Türkei ist zwar Laien die direkte Durchführung von Ausgrabungen nicht gestattet. Doch die unmittelbare örtliche Anwesenheit der Teilnehmer direkt bei den spannenden archäologischen Freilegungsarbeiten, verbunden mit stetigen Hinweisen und Erläuterungen aus erster Hand, machen dies mehr als wett. Die Teilnehmer geniessen somit das „Erlebnis Ausgrabung“ von seiner besten Seite.

 

Vertiefende Vorträge leitender Projektmitglieder sowie des archäologischen Gruppenleiters zur politischen, wirtschaftlichen sozialen Bedeutung und Rolle von Priene in hellenistischer und späterer Zeit bieten viel Gesprächsstoff für abendliche „Kamingespräche“, zu denen sich gerne auch leitende Projektmitarbeiter gesellen. 

 

Und die gemeinsame Exkursionen nach Ephesos, Magnesia, Milet und Didyma lassen die Teilnehmer das enge wirtschaftliche und kulturelle Netz erahnen, das dieses wunderbare antike Gemeinwesen Priene mit den Partnerstädten verband.

Ein Teil der Teilnahmegebühren der „Archäologischen Sommer-Akademie PRIENE“ ergeht an die Grabung und dient damit der Sicherung und Weiterführung dieses einzigartigen wissenschaftlichen Projekts. Die Teilnehmer sind damit direkte Förderer der Ausgrabung Priene - und freuen sich über den Dank und die Anerkennung des Teams beim Grabungsfest am letzten Tag. Mit flackerndem Lagerfeuer, brutzelndem Eintopf im Kessel und anlaßgerechten Getränken bietet diese gemeinsame kleine Festivität einen stimmungsvollen Rahmen für den Abschluß einer lehrreichen, schönen und spannenden Woche.

Termin: Sa, 29. August bis So, 6. September 2020 

Gruppe: Mindestens 10, maximal 18 Personen. Kleingruppenzuschlag 20% bei unter 10 Personen 

Wissenschaftlicher Reiseleiter: Mag. Dieter Hörwarthner, klassischer Archäologe und Bauforscher

Preis: € 1.580,- im halben Doppelzimmer, EZ-Aufschlag € 280,-. Ohne An- und Abreise.

 

Hinweis: Die Grabung Priene erhält die Grabungsgenehmigung für die Saison 2020 gemeinhin im (Früh)Sommer 2020. Die Teilnehmer werden daher ersucht, privat oder über den Reisebüropartner Zugvogel Touristik zu buchende Flüge nach/von Izmir erst nach Erhalt der offizieller Bestätigung der Durchführung des Termins durch Zugvogel Touristik buchen zu wollen.

 

Detailprogramm auf Anfrage unter office@zugvogeltouristik.at oder +43 1 890 77 00