Grabung LIENZ

Kultkontinuität auf dem "Klosterfrauenbichl" in Lienz/Osttirol - vom Stammesheiligtum der keltischen Laianken zum ländlichen römerzeitlichen Kultplatz

Oberhalb von Lienz (Osttirol) befindet sich auf dem Klosterfrauenbichl ein Fundplatz von ganz besonderer Bedeutung - sowohl auf der Hügelkuppe als auch auf den Terrassen des Hügels lassen sich Spuren eines umfangreichen latène- und römerzeitlichen Heiligtums nachweisen.

 

Vieles deutet darauf hin, dass dieses Heiligtum in Sichtweite der römischen Stadt Aguntum eher der Volksfrömmigkeit diente und von der einfachen Bevölkerung genutzt wurde. Es finden sich bezeichnenderweise keinerlei Zeugnisse von Angehörigen der Oberschicht aus Aguntum. Vielleicht wurden in diesem traditionell geprägten Heiligtum aufwendige Frömmigkeitsbezeugungen der Oberschicht, etwa durch Marmortafeln, als nicht angemessen untersagt.

 

Mit dem kurz vor Christi Geburt durchgeführten Alpenfeldzug der römischen Armee unter den römischen Prinzen Drusus und Tiberius gelangte das für die Kelten so wichtige Heiligtum sodann in einen überregionalen Fokus.

 

Im Gegensatz zur sonst zumeist friedlich verlaufenden Eroberung im Bereich der zukünftigen Provinz Noricum dürften die Römer in Lienz auf erbitterten Widerstand gestoßen sein. Davon zeugen unter anderem 16 Artilleriegeschoßspitzen und Nägel aus den Schuhen römischer Legionäre, welche die Archäologen gefunden haben. Doch schon bald nach der Eroberung der Region durch die römischen Legionen stieg der Kultuplatz Lienz in der frühen Kaiserzeit zu seiner größten Blüte auf.

 

Im Sommer 2020 können nun geschichts- und archäologieinteressierte Laien gemeinsam mit Projektleiter Dr. Gerald Grabherr und seinem wissenschaftlichen Team der Universität Innsbruck diese in der Provinz Noricum einzigartige sakrale Stätte weiter erforschen.

 

Die Fundlage ist dabei äußerst vielfältig. Aus keltischer Zeit stammen viele Weihegaben wie kleinformatige eiserne Feuerböcke mit Stierkopfenden, einzelne Fibeln, bronzene Votivbleche mit Punzverzierung und zahlreiche Kleinsilbermünzen. Danach folgen die Weihegaben der römischen Epoche - zahlreiche kleine Votivstatuetten aus einer Zinn-Blei-Legierung repräsentieren fast die gesamte antike Götterwelt vom Göttervater Jupiter, seiner Frau Juno über die Minerva, den Handelsgott Merkur, die Liebesgöttin Venus, den Kriegsgott Mars bis zur Siegesgöttin Victoria. 

 

Möglicherweise repräsentieren einzelne dieser Figuren auch lokale einheimische Gottheiten. Im Heiligtum sind die Archäologen auf die Fundamente eines Tempels gestoßen. Das Tempelgebäude selbst dürfte aus Holz errichtet worden sein und in den Zeiten vergangen sein. Bisher konnten die baulichen Befunde nicht mit Sicherheit der Latènezeit zugewiesen werden, aber trotzdem lässt sich der Platz als Stammesheiligtum der keltischen Laianken bestimmen. Ein deutlicher Hinweis darauf ist auch der Fund mehrerer Fragmente einer Carnyx, der keltischen Kriegstrompete mit Wildschwein- oder Drachenkopf.

 

Als zentrale Forschungsfragen werden vom wissenschaftlichen Team folgende Aspekte untersucht: Wie lief der militärische Konflikt mit Ankunft der römischen Armee um und im keltischen Stammesheiligtum ab? Wie verändern sich das Heiligtum und die kultischen Aktivitäten unter den neuen Machthabern? Wie ist der Bezug des Heiligtums zum nahegelegenen Municipium Aguntum und warum bildet sich die soziale städtische Elite bislang im Stammesheiligtum nicht ab, obwohl eine Frequentierung bis ans Ende des 4. Jhs. nachweislich ist?

 

Die Vorträge der Projektwoche behandeln die untersuchte Kultur und die Geschichte des Grabungsortes, dazu Keramik- Kunde („Scherbenseminar“), Vermessungskunde sowie Grabungsmethodik.

 

Die thematisch ergänzenden Exkursionen führen uns in den Archäologiepark Aguntum samt Museum, zum heiligen Berg Lavant samt Ausgrabung und Museum, in das Museum Oberdrauburg. 

 

Termin: SA 18. - SA 25. Juli 2020 

Preis:  EUR 1.560,- pro Person im Doppelzimmer
           EUR     240,- EZ Zuschlag
           Frühbucherbonus bis 30. Dez. 2019: EUR 80,- pro Person

  

Leistungen:

  • Alle Transfers und Rundfahrten im Kleinbus mit Aircondition
  • 7 Übernachtungen in einem guten ***Hotel (Landes-Klassifizierung) im Zweibettzimmer mit Du/WC mit Frühstück (falls gleichgeschlechtlicher Partner möglich, sonst upgrading auf EZ).
  • Mo - Fr Grabungsteilnahme inkl. Mittagsjause auf der Grabung (geeignetes Wetter vorausgesetzt)
  • Mindestens 2 wissenschaftliche Vorträge durch Grabungs- und Reiseleitung
  • Durchgehende Betreuung durch die Archäologen und akademischen Reiseleiter während der Grabung
  • Einführung in archäologische Arbeitsmethoden und Grundlagen
  • Ein Exkursionstag zu umliegenden Fundstellen und Museen inkl. Museumseintritte
  • Literatur zum vorbereitenden Einlesen (elektronisch übermittelt)
  • Alle benötigten Werkzeuge vor Ort

Hinweis: Grabungslizenzen müssen in der Regel jedes Jahr bei den zuständigen Behörden neu beantragt werden. Aus verschiedensten Gründen kann es auch zur Ablehnung eines Antrags kommen. Oft werden die Lizenzen auch erst wenige Wochen vor Beginn einer Grabung ausgestellt. Da wir darauf keinen Einfluss nehmen können, ist eine Absage unserer Grabungsreise wegen nicht erteilter Grabungslizenz nicht auszuschliessen.

 

Aus organisatorischen Gründen erhalten Sie daher vorerst eine Anmeldebestätigung zu unserer Grabungsreise.

Die Buchungsbestätigung stellen wir aus, sobald die Grabungslizenz ausgestellt wurde. Wir empfehlen Flug- und Bahntickets etc. erst nach Erhalt unserer Buchungsbestätigung zu kaufen, um unnötige Stornokosten zu vermeiden, für welche wir keine Haftung übernehmen können.

 

Aufgrund der sehr begrenzten Teilnehmerzahl bei unseren Grabungsreisen ist eine frühe Anmeldung zur Reise dennoch empfehlenswert - nur mit einer Anmeldebestätigung ist Ihre Teilnahme an der Grabungsreise gesichert!