EL ARGAR - Der erste Staat des Westens

SPANIEN / LEVANTE - Um 2.200 v. Chr. entstand in Südostspanien die erste Kulturgruppe Westeuropas, deren heutige Hinterlassenschaften auf eine außergewöhnlich starke Hierarchisierung hindeuten. Monumentale Festungsanlagen mit ausgeklügelten Wasserversorgungssystemen und teils kilometerweit entfernten landwirtschaftlichen Arealen lassen uns die urban geprägten Wirtschaftssysteme erahnen. Die Bevölkerung innerhalb der Befestigung unterschied sich klar von jener, die in den Feldern und Manufakturen lebten. Regelrechte Fabrikationszentren wurden angelegt, die von der Aristokratie überwacht und durch die niederen Bevölkerungsschichten bewirtschaftet wurden. In eigens angelegten Vorratsspeichern wurden Steuern eingetrieben.

Die Regierungsschicht bestand vermutlich aus einem Zusammenschluss regionaler Herrschergeschlechter, deren Reich sich nach der Wende des 2. Jahrtausends vor Christus weiter ausdehnte und die Kulturkreise anderer spätkupferzeitlicher Gruppen vereinnahmte - wahrscheinlich durch kriegerische Eroberung, wie eine ausgeprägte Kriegerklasse, die wir aus reich mit Bronzen ausgestatteten Gräbern kennen, beweisen könnte. Auch die Rolle der Frau scheint von großer Bedeutung gewesen zu sein; in den Gräbern mit den prunkvollsten Ausstattungen fanden sich durchgehend weibliche Individuen.

Die Macht der El-Argar-Kultur erreichte ihren Höhepunkt um 1.700 v. Chr. wobei keine weitere Kultur im westlichen Mittelmeerraum mit der sozialen Entwicklung verglichen werden kann, die damals in der Levante verbreitet war. Doch all dies währte nicht ewig. Etwas mehr als 100 Jahre später beginnt auch schon der Zerfall - allem Anschein nach durch Gewalt. Hatte die unterdrückte Bevölkerung ihr Leiden satt? Möglicherweise hat sich der Lebensstandard der unteren Bevölkerungsschicht durch den überschwänglichen Lebensstil der Obrigkeit derart verschlechtert, dass man zu den Waffen griff und die Herrscher von ihren hohen Rössern stieß. Einen Hinweis darauf bieten die anthropologischen Untersuchungen an den Verstorbenen, demnach 90 % aller Untersuchten schwere Abnutzungserscheinungen durch harte handwerkliche Tätigkeit erlitten, also als Arbeiter, Bauern oder Krieger lebten und nur 10 % gut ernährt und wesentlich gesünder waren. Auch die Diäten letzterer waren maßgeblich ausgewogener. Dies lässt den Rückschluss zu, dass alle produzierten Nahrungsmittel von der Verwaltung eingezogen und nur die einfacheren Produkte wieder an die allgemeine Bevölkerung zurückverteilt wurden. Andauernde intensive Bewirtschaftung (Monokulturen von Gerste und Linse) führte allmählich zu einer Versalzung der Böden, außerdem gibt es Hinweise auf massive Abholzung.

 

Um 1.550 v. Chr. endeten die großen Ansiedlungen wie "La Bastida" durch ein Schadfeuer. Gefüllte Getreidespeicher lassen auf eine Rebellion schließen. Nachdem sich die arbeitende Völkerschaft der reichen Herrscherschicht entledigt hatte, geriet der erste Staat des Westens komplett in Vergessenheit.

 

Erkunden Sie gemeinsam mit uns und einem spanischen Archäologen diese faszinierende Kultur der Bronzezeit Spaniens. Auf unserer Reise streifen wir auch immer wieder thematisch verwandte Themen und besuchen auch neolithische Felsmalereien. Wir stellen mögliche Verbindungen zu mitteleuropäischen zeitlichen Kulturen her und erweitern unser Wissen über diese frühen metallzeitlichen Völkerschaften Europas.

 

Ein ausführliches Interview zum Thema El Argar und Bronzezeit in Europa mit einem der bedeutendsten Archäologen, die sich mit El Argar beschäftigen, Dr. Roberto Risch von der Freien Universität Barcelona können Sie hier sehen: Bitte Klicken

 

Vertiefend einlesen können Sie sich zum Thema El Argar hier: Bitte klicken

 

In folgendem Video sehen Sie eine 3D-Rekonstruktion der Argarischen Festung von La Bastida, die wir besonders intensiv besichtigen werden:

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Eine spannende Radio-Reportage zur El Argar-Kultur kann hier als Audiofile heruntergeladen werden.
Quelle: SWR2, am 30.6.2016.
Radiobericht zu El ARGAR - Das spanische
MP3 Audio Datei 25.3 MB

 

Besonders bedeutend, wenn auch wenig bekannt, sind die unzähligen jungsteinzeitlichen Felsmalereien der spanischen Mittelmeerküste. Über 770 Fundstellen wurden bisher entdeckt und sind durch das UNESCO-Weltkulturerbe geschützt. Einige dieser Fundorte werden wir uns in der Umgebung von Alicante ansehen, denn sie sind ein wichtiges Puzzlestück im Prozess der Neolithisierung der Iberischen Halbinsel. Um die Entwicklung der späteren Kulturen tiefgreifend verstehen zu können, befassen wir uns auf unserer Reise auch mit der Zeit um 6.000 v. Chr., als sich die ersten Siedler der sogenannten Impresso- oder Cardiokultur niederließen.

 

Ein Video zu einer dieser Fundstellen können Sie hier sehen:

 

Die Planung der Reise, gemeinsam mit den spanischen Archäologen, ist noch im Gange. Wir bitten Sie um ein wenig Geduld und werden den Reisetermin in den nächsten Tagen bekanntgeben.