PIKTEN – bemalte Barbaren, kunstfertige Steinmetze

Wer waren sie, die Pikten? Den meisten Menschen ist dieses Volk gänzlich unbekannt. Doch sie lebten, liebten, kämpften und starben bei uns, in Europa.

 

Glaubwürdige, wenngleich natürlich parteiische Berichte über die einstmals im heutigen Schottland lebenden Pikten hat uns die römische Geschichtsschreibung überliefert. Darin werden uns die Pikten als rohes und kampfeslustiges Volk beschrieben, das sich noch dazu gräßlich bemalte und tätowierte.

 

Die ständigen Eroberungs- bzw. Plünderungszüge der Pikten und der mit ihnen verbündeten Stämme in die nördlichen Randprovinzen der römischen Gebiete im heutigen Großbritannien führten schließlich dazu, dass die Römer zuerst den Hadrians- und danach den Antoninuswall errichteten.

 

Sprache und Kultur der Pikten erlitten schwere Schläge, als die Königreiche der Pikten und der Skoten 843 n. Chr. unter Kenneth Mac Alpin vereinigt wurden und damit das sagenhafte Königreich Alba entstand. Nach und nach verklang die Sprache und damit die Kultur dieses eigenwilligen Volkes.

Eines jedoch haben uns die Pikten hinterlassen - Bildsteine und Stelen, die „sculptured stones“ - ganz wundervolle Zeugnisse ihres Lebens, ihrer Riten und auch ihrer Kämpfe. Dieses insgesamt nur einige hundert Stück umfassende steinerne Vermächtnis ist in Europa einzigartig.

 

In unserer archäologischen Wanderwoche zu den Pikten werden wir diese „Highlights“ der versunkenen piktischen Kultur aufsuchen - auf nebeligen Äckern, in dämmerigen Kirchen, auf aktuellen Ausgrabungen, im Laubwald der Hügelketten, aber auch in ganz außerordentlichen Stätten wie dem Museum von Meikle und weiteren wissenschaftlichen Stützpunkten.

 

Und natürlich werden wir dabei auch an den Zeugnissen anderer schottischer Kulturen nicht achtlos vorbeigehen - von der Steinzeit bis zum Mittelalter reicht die von uns erwanderte Palette der zumeist hervorragend erhaltenen steinernen Monumente, Heiligtümer, Sakralbauten und Wehrsiedlungen - inmitten einzigartiger Landschaft, ein Eldorado für Naturliebhaber & Hobby-Fotografen.

 

Um all dies in seiner historischen und kulturellen Bedeutung voll erfassen zu können, wird die Gruppe von einem schottlanderfahrenen deutschsprachigen Archäologen geführt. Die im Laufe der Woche stattfindenden Vorträge bieten ergänzendes Wissen und aktuelle Forschungsergebnisse.

 

Interessiert? Werfen Sie einen Blick in die Fotogalerie!

 

Termin: SA 20.5. - SA 27.5.2017

Direkt koppelbar mit unserer nachfolgenden Studienreise „Megalithkultur Orkney-Inseln“!

Gruppengröße: Mind. 12, max. 24 Teilnehmer, Kleingruppenzuschlag 15 %

Reiseleitung: Klaus Schindl BA, Archäologe

Preis: ab € 1.880,- im DZ mit Frühstück, ohne Flüge bis/ab Edinburgh (gerne buchen wir für Sie auch Ihre An/Abreise), Aufschlag für Einzelzimmer 50 € pro Nacht.

 

 

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Detailprogramm (gerne sende wir eine detailierte Version per E-Mail oder Post!)

 

Tag 1 (Samstag):

Ankunft am Flughafen von Edinburgh, Transfer zum Hotel. Nach dem Bezug der Zimmer steht der restliche Nachmittag der individuellen Erholung zur Verfügung. Abhängig von der Ankunftszeit aller Gäste, kann auch noch die neolithische Ausgrabung von Cairnpapple Hill besichtigt werden. Beim Abendessen um ca. 19:00 gibt es Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlernen der ReiseteilnehmerInnen. Im Anschluss stellt der Reiseleiter den Wochenablauf vor und führt in einem Abendvortrag in die Geschichte und Kunst der Pikten ein.

 

Tag 2 (Sonntag):

Nach dem Frühstück machen wir uns auf in Richtung Perthshire. In Dunning besichtigen wir das erste bildhauerische Kleinod unserer Reise: Das Dupplin Cross. Eine wahre Rarität, denn es ist das einzige komplett erhaltene »free-standing cross« des piktischen Raums. Reich ornamentiert findet sich auf dem Kreuz auch der Name des Hochkönigs Constantín, Sohn von Uurguist, der von 789 bis 820 herrschte.

 

Als nächstes steuern wir den Fowlis Wester Stone an, einen 3 m hohen Cross-Slab mit piktischen Symbolen. Die Entschlüsselung seines speziellen Bildprogramms stellt ForscherInnen weiterhin vor große Rätsel.

 

Weiter geht es zur piktischen Hügelfestung Dundurn am Fuße des Loch Earn. Wir spazieren zur Hügelfestung und machen uns ein Bild von der strategischen Position, die Dundurn auszeichnet. Nachdem von diesem Machtzentrum nichts als Fels die Zeiten überdauert hat, werden historische Überlieferungen den Ort erneut zum Leben erwecken.

 

Nach dem Mittagessen im nahe gelegenen St Fillans führt uns der Weg entlang Loch Earn und Loch Tay zum Scottish Crannog Centre. In diesem Zentrum schottischer Unterwasser- und Experimental-archäologie wird Geschichte greifbar. Das rekonstruierte Crannog – eine spezielle (Pfahl-)Bauform in mitten von Seen – lädt uns ein, piktische Wohnverhältnisse wie auch alte Handwerkstechniken kennenzulernen.

 

Tag 3 (Montag):

Dunkeld ist mit zwei wichtigen piktischen Königen verbunden: Constantín, Sohn von Uurguist, der uns bereits am Dupplin Cross begegnete, sowie Cinaed, Sohn von Alpín, der von 842 bis 858 regierte. Beide sorgten dafür, dass dieser Ort zu einem wichtigen kirchlichen Zentrum aufstieg.

 

Nach dem Frühstück spazieren wir entlang des Ufers der Tay zur Kathedrale von Dunkeld. Das halb verfallene Bauwerk vereint verschiedene architektonische Stile zu einem historischen Ganzen, an dessen Anfang piktische Könige standen.

 

Im Anschluss Besichtigung des römischen Forts von Inchtuthill, das 82 n. Chr erbaut wurde und sich über eine Fläche von 22 ha ausdehnt. Es liegt nördlich des Antoninuswalls, also eigentlich direkt in piktischem (oder prä-piktischem) Land. Es ist das größte Fort, das von den Römern am Weg in die Schottischen Highlands errichtet wurde. Trotzdem wurde das Land nie in das römische Reich eingegliedert. War die Gegenwehr zu stark oder waren einfach keine nutzbaren Bodenschätze vorhanden? ca 2 h Wanderung.

 

Im Anschluss Besichtigung der piktischen Spornbefestigung am Gelände des ehemaligen römischen Forts Inchtuthill. Eine besondere piktische Befestigung mit 5 noch heute bestehenden Vorwällen, aber überraschend kleiner Nutzfläche.

 

In die Meisterschule piktischer Bildhauerkunst geht es dann auf unserer Tagestour durch Angus. Dieses Gebiet ist ein wahrer Fundus kunstvoll gefertigter Steindenkmäler. In großer Dichte finden wir hier fein gearbeitete Cross-Slabs mit den enigmatischen piktischen Symbolen, über deren Bedeutung wir nur spekulieren können. Prunkvolle Verzierungen in Flecht-, Spiralen- und Rankenmustern erwecken den Eindruck fließend-lebendiger Skulpturen. Die Steine gewähren uns tiefe Einblicke in unterschiedliche kirchliche Strömungen, die im 8. und 9. Jahrhundert in Piktland aufblühten. Vor allem sind es aber die weltlichen Szenen, die ungebrochen Faszination ausüben. Jagd und Falknerei, Reiter und Tierfiguren, Prunkzüge und Kampfszenen werden detailverliebt dargestellt.

Am Wegesrand, auf Feldern und bei Kapellen finden sich die Steine von Aberlemno, Glamis und Eassie, denen wir einen Besuch abstatten werden.

Den Höhepunkt des Tages stellt das Meigle Museum. Hier werden wir eine der wichtigsten Sammlungen frühmittelalterlicher Bildhauerei in ganz Westeuropa besichtigen.

 

Tag 4 (Dienstag):

Unsere Reise führt uns heute nach Aberdeenshire, in das alte Kernland piktischer Kultur.

Nach knapp 2 Stunden Fahrt erreichen wir dann die alte Grenzfestung Dunnottar Castle. Auf einem Klippenvorsprung gelegen ziert heute eine mittelalterliche Ruine diesen imposanten Ort.

Nach Erkundung der atemberaubenden Festung geht es ins Landesinnere. Am Fuße der Grampian Mountains werden wir die frühen Symbolsteine der Pikten entdecken. Diese Steine sind nur durch geritzte Symbole geziert und muten im Vergleich zu Cross-Slabs archaischer an. Bewundernswert ist die Kunstfertigkeit, mit der die Symbole in fließenden Linien auf hartem Stein angebracht wurden.

Unseren ersten Halt machen wir in Broomend of Crichie. In einem neolithischen Henge finden wir sowohl Überreste des alten Steinkreises als auch einen piktischen Symbolstein. Der nahe gelegene Brandsbutt Symbolstein eröffnet uns mit seiner Ogham-Inschrift eine neue kulturelle Facette. Wie gelang diese irisch-gälische Keilschriftform zu den Pikten, die eine britannisch-keltische Sprache nutzten?

Nach Besichtigung des berühmten Maiden Stone und der Symbolsteine von Newton House und Rhynie bleibt Zeit für eine Wanderung zum Dunnideer Hillfort (ca. 1,5 h). Am Horizont erstrecken sich weitere Hügelkuppen, auf denen Pikten befestigte Wohnstätten errichteten.

Bei Schönwetter alternative Wanderung auf den Bennachie, eine der imposantesten Bergbefestigung, die seit der Eisenzeit bis zur Zeit der Pikten in Benutzung war. Eine lange Wanderung führt uns zu dieser Zitadelle, die eine der höchstgelegenen Schottlands ist. Ein mächtiges, möglicherweise intentionell entzündetes, Feuer hat die ehemalige Befestigung aus Holz und Stein zum Schmelzen gebracht, sodass die verbackene Befestigung noch heute bis zu 3,5 m hoch erhalten ist. (ca 2,5 Std Wanderung)

 

Tag 5 (Mittwoch):

Portsoy liegt an der Grenze zu Moray und Nairn, der Wiege piktischer Macht. Entlang der Küste standen zu piktischen Zeiten mächtige Festungen. Zwei dieser Festungsorte werden wir heute besuchen. Wir beginnen den Tag mit einem ausgedehnten Strandspaziergang. Von Cullen wandern wir Sandstrände und schroffe Klippen entlang, bis wir nach Portknockie gelangen (ca. 1 ½ Stunden). Die außergewöhnliche Feldformation Bow Fiddle Rock hinter uns lassend erreichen wir das Green Castle, eine piktische Meeresfestung. Obwohl keine Baustrukturen mehr vorhanden sind, ist Green Castle ein eindrucksvolles Zeugnis für das Zusammenspiel von Landschaft und politischer Macht.

Danach geht es nach Burghead, dem piktischen Machtzentrum schlechthin. Die drei massiven Festungswälle sind an manchen Stellen noch erkennbar. Auch findet sich im Inneren der Anlage eine heilige Quelle, die bereits in vorchristlichen Zeiten als Ort ritueller Handlungen fungierte.

 

Nach der Mittagspause fahren wir zum Sueno’s Stone, mit 7 m Höhe das größte piktische Steindenkmal. An die 100 Figuren sind abgebildet, allesamt in kriegerische, teils makabere Handlungen verstrickt.

Um die Vielfalt schottischer Natur kennenzulernen und zu sehen, in welchen Landschaften die Pikten siedelten, geht unsere Reise am Nachmittag Richtung Cairngorm National Park. In Grantown-on-Spey können wir verweilen und durch das Städtchen bummeln. Oder wir begeben uns per Bus auf wildromantische Wege durch schmale Glens, vorbei an Speyside Whisky-Distillerien, Hochland-Mooren und Festungsruinen, bevor wir den Rückweg zur Unterkunft antreten.

 

Tag 6 (Donnerstag):

Nach dem Frühstück machen wir uns auf zur verfallenen Kirche von Elgin, in der ein Cross-Slab mit einer Falkenjagd-Szene zu bewundern ist.

Auf dem Weg nach Inverness befindet sich eines der imposantesten prähistorischen Gräberfelder, die Clava Cairns. Ein sehr gut erforschter Kultplatz, der mehrere Jahrtausende lang besucht wurde, so auch von den Pikten, die gerne prähsitorische Menhire mit ihren Kunstwerken schmückten und ihnen damit neue Bedeutung gaben.

 

An der Moray-Küste entlang führt uns der Weg zunächst nach Inverness. Am Stadtrand befindet sich die piktische Hügelfestung Craig Phadrig, die wir in einer einstündigen Wanderung erklimmen werden. Hier könnte der Herrschaftssitz des piktischen Königs Bridei gelegen sein, dessen Druiden um 570 mit dem Hl. Columba in einen Zauberwettstreit traten. Wir genießen einen phantastischen Ausblick auf den Beauly Firth, den wir auf unserer folgenden Etappe überqueren werden.

Nun geht es vorbei am Cromarty und Dornoch Firth hinauf zum nördlichsten Punkt unserer Reise: Zum Dunrobin Castle bei Golspie. In diesem imposanten Schloss der Dukes und Earls von Sutherland befindet sich ein kleines Museum mit 18 piktischen Steindenkmälern.

Nach einem Mittagessen im Tea Room des Schlosses bewegen wir uns auf den Spuren der Antiquare und adeligen Sammler des 18. und 19. Jahrhunderts. Ihnen ist es oft zu verdanken, dass die Relikte piktischer Zeiten nicht der Zerstörung anheimfielen. Welche Vorstellungen sie zu den Pikten hegten, werden wir in diesem viktorianischen Rahmen erfahren.

Wie hausten die Pikten? Ein, vor allem im Norden weit verbreitetes Phänomen sind Brochs, doppelwandige, gigantische Steintürme, die zum Teil noch mehrere Meter hoch erhalten sind. Ihr Ursprung geht auf die Eisenzeit zurück, dennoch wurde einige dieser Monumente erst zur Zeit der Pikten errichtet. Wir besichtigen ein schönes Exemplar unweit von Dunrobin Castle, das als "Carn Liath" bekannt ist.

 

Tag 7 (Freitag):

Unser letzter Reisetag ist gespickt mit Meisterwerken piktischer Bildhauerei und faszinierender Archäologie.

Auf der Halbinsel Tarbat besichtigen wir atemberaubende Cross-Slabs: Die Steine von Nigg und Shadwick. Sie sind fraglos unter die versiertesten bildhauerischen Vermächtnisse des frühmittelalterlichen Westeuropas einzureihen.

So auch der Hilton of Cadboll Stone, den wir als nächstes ansteuern. Das Original steht im National Museum of Scotland in Edinburgh. Vor Ort ragt eine Replik in den Himmel, die mit rekonstruierten Werkzeugen aus der Piktenzeit erstellt wurde. Ein Prunkzug mit Bläsern, Reitern und Jagdhunden, in der Mitte eine Frau zu Pferd. Umrandet ist die Szene mit piktischen Symbolen und reichen Verzierungen, die vom überregionalen Austausch von Stilelementen zeugen.

Am Spitz der Halbinsel, in Portmahomack, befindet sich das Tarbat Discovery Centre. Hier wurde das bis dato einzige piktische Kloster entdeckt. Bis zu seiner Zerstörung um die Jahre 780 bis 830 herum war das Kloster von Portmahomack ein pulsierender Ort, in dem unter anderem Bildhauerei und Metallkunsthandwerk betrieben wurde. Im Museum begutachten wir Artefakte, die von Leben und Arbeit der Mönche berichten. Auch wird uns vermittelt, wie die Funde im Rahmen der größten piktischen Forschungsgrabung zu Tage traten.

Wir können den Tag mit einer Wanderung zum Knock Farril Hillfort ausklingen lassen, das sich in der Nähe unseres Hotels in Strathpeffer befindet. Die Lage dieser Piktischen Festung ist außergewöhnlich und bietet eine wunderbare Aussicht auf Strathpeffer und einige umliegende Seen, an deren Ufern sich gut sichtbar Reste piktischer Ufersiedlungen befinden. Oder aber wir machen es uns am Kamin gemütlich und lassen eine spannende piktische Reisewoche Revue passieren.

 

Tag 8 (Samstag):

Nach dem Frühstück Transfer zum Flughafen in Aberdeen (ca. 3 Stunden).

 

Programmänderungen Vorbehalten!