Enigmatische Bauten der Eisenzeit in Schottlands Norden – waren massive „Brochs“ tatsächlich Wachtburgen gegen feindliche Seefahrer?

© Anita Soós

Der Broch von Mousa auf Shetland / © Otter – Wikimedia Commons
Der Broch von Mousa auf Shetland / © Otter – Wikimedia Commons

Seit Jahrzehnten rätseln Archäologen über den wahren Charakter der sogenannten „Brochs“, einer Art von bis heute oft sehr gut erhaltenen, massiven Gebäuden, welche exklusiv im Norden bis Nordwesten Schottlands von etwa 200 v. Chr. bis etwa 200 n. Chr. entstanden sein dürften.

 

Der Name selbst deutet auf einen Verteidigungscharakter hin – er leitet sich vom nordischen Wort „borg“ ab, das Fort bedeutet und vermutlich der Begriff war, den die Wikinger bei erstmaligem Erblicken den runden Türmen verliehen.

 

Archäologen einigten sich im späten 19. Jahrhundert auf den standardisierten Begriff „Broch“ um damit eine spezielle Gruppe von prähistorischen, runden Trockensteinbauten zu beschreiben, welche Eigenheiten wie Innentreppen und Galerien aufwiesen. Am besten repräsentiert werden diese Bauten bis heute durch jene, welche die Zeiten auf eindrucksvollste Weise überdauerten, wie z.B. Mousa auf Shetland oder Dun Carloway in Lewis.

 

 

Nur wenige andere Bauten der Urgeschichte rufen heute in uns so starke Assoziationen mit Bekanntem hervor, wie die Brochs. Ihre bedrohlichen, grauen Steinwände von mehreren Metern Mächtigkeit können in großer Zahl weit verteilt in den Küstengebieten der Highlands und den Inseln gefunden werden, wobei sie oft imposant auf zerklüfteten Klippen oder unzugänglichen Halbinseln thronen. Zumeist gehören Sie zu den am besten erhaltenen prähistorischen Bauten Europas und inspirieren jeden, der sie einmal gesehen hat, zu eigenen Interpretation über ihre einstige Funktion.

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Genetischer Ursprung kanarischer Ureinwohner weiterhin Mysterium für Wissenschaftler

Stufenpyramide aus vermutlich vorspanischer Zeit auf La Palma / © Klaus Schindl
Stufenpyramide aus vermutlich vorspanischer Zeit auf La Palma / © Klaus Schindl

Selbst neueste Forschungsmethoden der Gentechnologie konnten bisher kein schlüssiges Licht auf die enigmatische Besiedelung der kanarischen Inseln durch ihre Ureinwohner werfen.

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DNA liefert Hinweis auf die Entwicklung von menschlichem Gehirn

Homo Erectus war maßgeblich an der Verbreitung von Gen ARHGAP11B in weiten Teilen der Erde beteiligt / © Thomas Roche - Wikimedia Commons
Homo Erectus war maßgeblich an der Verbreitung von Gen ARHGAP11B in weiten Teilen der Erde beteiligt / © Thomas Roche - Wikimedia Commons

Menschen könnten laut neuester Forschung ihre großen Gehirne einem „Tippfehler“ in ihrem genetischen Code verdanken.

 

Diese genetische Mutation dürfte auch bei unseren evolutionären Cousins – den Neandertalern und Denisova Menschen vorgekommen sein, obgleich sie bei unseren nächsten, heute noch lebenden Verwandten – den Schimpansen – fehlt.

Warum dem so ist und wie die Entwicklung des menschlichen Gehirnes evolutionsbiologisch zu betrachten ist, erforschen derzeit Wissenschaftler im Team von Victor Borrell Franco am Institut für Neurowissenschaften in Alicante, Spanien.

 

Im Laufe ihrer Evolution entwickelten offenbar frühe Menschenarten größere und komplexere Gehirne, welche mehr Information verarbeiten und speichern konnten.

 

2015 gelang es bereits Forschern am Max Planck Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden, ein menschliches Gen namens  ARHGAP11B zu identifizieren, welches für die Vergrößerung einer der wichtigsten Gehirnregionen – der sogenannten Neocortex – verantwortlich sein könnte.

 

Entwickelt haben dürfte sich das Gen vor fünf oder sechs Millionen Jahren, nachdem sich die menschlichen Vorfahren auf dem evolutionären Stammbaum von jenen der Schimpansen getrennt hatten, in dem es sich bei der Fortpflanzung unvollständig duplizierte.

 

Diese punktuelle Mutation veränderte die Funktion des Gens offenbar auf jene Art und Weise, dass sie ausschlaggebend für die Vergrößerung der Neocortex durch die rapide Zunahme der Gehirnzellen in dieser Region war.

 

Dr. Wieland Huttner vom Max Planck Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik ist sich jedenfalls sicher, dass die Mutation, welche sich im menschlichen Genom verankerte und somit heute allen Menschen gleich ist, einen gewaltigen Selektionsvorteil geboten haben musste und sich deshalb so rasch unter menschlichen Populationen verbreiten konnte.

 

Kurz nach dem erstmaligen Auftreten des Gens, zwischen fünf und 2 Millionen Jahren, begannen die Vorfahren unserer Art aufrecht zu gehen und einfache Werkzeuge herzustellen, was ihnen dabei half, sich auf der Welt zu verteilen und sich an verschiedene Umwelten anzupassen.

 

Ab etwa 800.000 Jahren vor heute vergrößerte sich das Gehirn weiter, was ausschlaggebend für die Fähigkeit, in einer sich stetig verändernden Welt zu überleben, gewesen sein dürfte.

 

 

Trotz dieser neuen Erkenntnisse bleiben allerdings noch viele Fragen über die Entwicklungsgeschichte menschlicher Gehirne offen. Ziemlich sicher ist jedoch, dass dieses Gen eines der Komponenten ausmacht, welche Menschen ihre einzigartige Intelligenz und Denkfähigkeit verleiht. 

 

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Neolithisches Orkney: Nagetiere zum "Naschen" für Bewohner von Skara Brae

Verkohlte Reste von Wühlmäusen deuten auf den Verzehr von Nagetieren im steinzeitlichen Skara Brae hin / © Jeremy Herman
Verkohlte Reste von Wühlmäusen deuten auf den Verzehr von Nagetieren im steinzeitlichen Skara Brae hin / © Jeremy Herman

Nagetiere - seit jeher eine Plage am Rücken der Menschheit, oder vielleicht auch Nahrungsmittel?

 

Letzteres scheinen nun Wissenschaftler bei der Aufarbeitung von Grabungsfunden der neolithischen Siedlung von Skara Brae auf Orkney festgestellt zu haben. 

 

Obwohl auch an zahlreichen anderen prähistorischen Fundstellen weltweit oft massenhaft Nagetierreste gefunden werden, habe man sich bisher nicht gefragt, warum diese überhaupt da waren, erklärte Jeremy Herman, Biologe des Nationalmuseums von Schottland in Edinburgh. Diese Herangehensweise könnte z.B. daran liegen, dass diese Tiere heutzutage keine Rolle auf dem menschlichen Speiseplan spielen, weshalb man sie auch für vergangene Epochen nicht in Betracht ziehen würde. Man müsse also bei der Interpretation der Funde stets seinen Horizont erweitern.

 

 

Das Innere eines der Häuser in Skara Brae / © Klaus Schindl
Das Innere eines der Häuser in Skara Brae / © Klaus Schindl

In der Siedlung von Skara Brae, das aus acht zum Teil sehr gut erhaltenen Häusern besteht und ungefähr zwischen 3.180 und 2.500 v. Chr. bewohnt war, wurden insgesamt über 2,5 Pfund (~ 1,13 kg) Skelettreste geborgen, welche kleinen Säugetieren wie Waldmaus und Wühlmaus zugeordnet werden können - Hinweise auf eine Schädlingsplage?

 

Die Fundsituation der Nagetierüberreste zeugt jedoch von einem differenzierten Bild: Während die Waldmausreste gleichmäßig in der Siedlung verteilt waren und somit auf ihre Rolle als reine Kulturfolger hindeuten, treten bei den Wühlmausresten regelrechte Konzentrationen in bestimmten Bereichen der Wohngebäude auf. Wühlmäuse leben bevorzugt auf dem Feld, fernab der menschlichen Siedlungen und meiden diese im Normalfall - was bedeuten würde, dass die Bewohner von Skara Brae sie absichtlich mitbrachten. Brandspuren an den Knochen zeugen außerdem davon, dass diese offenbar gebraten wurden. 

 

 

"Die Art und Weise, wie sie angebrannt sind, verdeutlicht die Tatsache, dass sie vermutlich als Ganzes aufgespießt und über dem Feuer geröstet worden sind. Ich habe es zwar selbst nie probiert, aber ich denke, dass sie außen ziemlich knusprig werden konnten.", zeigt sich Jeremy Herman beeindruckt von diesem neolithischen Snack. 

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Archäologische Nachweise für Wikingersaga "Heimskringla": König Olavs Grabstätte in Norwegen gefunden

Fundamente der wikingerzeitlichen Kirche, in welcher Olaf der Heilige bestattet worden sein soll/ © Norwegian Institute for Cultural Heritage Research (NIKU)
Fundamente der wikingerzeitlichen Kirche, in welcher Olaf der Heilige bestattet worden sein soll/ © Norwegian Institute for Cultural Heritage Research (NIKU)

Eine der berühmtesten Wikingersagas, die "Heimskringla" beschreibt, wie der gefürchtete Wikingerkrieger Olav Haraldsson - der spätere Schutzheilige von Norwegen - in zahlreichen, epischen Schlachten kämpfte, Norwegen eroberte unter seiner Krone vereinigte und nach seiner Taufe das Christentum in Norwegen etablierte. Selbst nach seinem Tod in der Schlacht von Stiklestad gegen den heidnischen König Knut von Dänemark und England, bei welcher das christliche Heer unter Olav trotzdem einen eindeutigen Sieg verrechnen konnte, wurden seinem Leichnam noch zahlreiche Wundertaten zugeschrieben.  

 

Laut dem Norwegischen Institut für die Erforschung Kulturellen Erbes (NIKU) haben Archäologen nun am 11. November eine vielversprechende Entdeckung gemacht: die Fundamente einer Kirche, zu welcher die sterblichen Überreste König Olavs direkt nach seiner Heiligsprechung 1031 überführt worden waren. 

 

Die Fundstelle befindet sich in Trondheim, wo Olav nach seinem Heldentod bestattet wurde. Nachdem sich durch die örtliche Bevölkerung jahrelang zahlreiche Geschichten über Wunder im Zusammenhang mit Olavs Leichnam verbreitet hatten, wurde die Öffnung seiner Grabstätte veranlasst und - laut Kirche - sein Körper auf mirakulöse Art und Weise konserviert vorgefunden, woraufhin er vom örtlichen Bischof heiliggesprochen und in der Kirche des Hl. Klemens wiederbestattet wurde. 

 

Tod St. Olavs bei der Schlacht von Stiklestad, dargestellt von Halvdan Egedius basierend auf der Heimskringla / © wikimedia commons
Tod St. Olavs bei der Schlacht von Stiklestad, dargestellt von Halvdan Egedius basierend auf der Heimskringla / © wikimedia commons

Diese soll die Kirche sein, welche nun laut Archäologen des NIKU freigelegt wurde - zu den Befunden zählten Steinfundamente und sogar eine kleine, rechteckige Steinplattform, welche vermutlich Standort des Altars gewesen war. Dieser könnte der Hochaltar gewesen sein, welcher über Olavs Grab errichtet worden war. Außerdem konnten die Reste eines Brunnens sichergestellt werden, der vermutlich mit dem Heiligenkult um den verstorbenen König in Verbindung gestanden haben dürfte. 

 

Diese Fundstätte sei für die norwegische Geschichte einzigartig im Hinblick auf Religion, Kultur und Politik, erklärte auch Anna Petersén, die Leiterin der Ausgrabung. Ein großer Teil der norwegischen Identität sei auf dem Kult um die Heiligkeit König Olavs aufgebaut und nun hätten sie den Ort gefunden, an welchem alles begann. 

 

König Olavs sterbliche Überreste sollen sich heute unter der Nidaros Kathedrale in Trondheim, wohin der Leichnam einige Jahre später, nachdem der Papst seine Heiligsprechung 1164 anerkannt hatte, überstellt worden war, befinden. 

 

Quellen: 

 

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Autismus als "Motor" der Evolution und Ursprung von Höhlenkunst?

Tierdarstellungen in der Höhle von Lascaux © Klaus Schindl
Tierdarstellungen in der Höhle von Lascaux © Klaus Schindl

Eine neue Studie der University of York lieferte jüngst beeindruckende Ergebnisse zum Thema Autismus in urgeschichtlichen Gesellschaften.

 

 

Demnach hätten unsere Vorfahren vor etwa 100.000 Jahren aufgehört, Autisten aus der Gemeinschaft auszuschließen und zu meiden – ganz im Gegenteil wurden Sie offenbar in die Gesellschaft als wichtige Spezialisten mit einzigartigen Fertigkeiten integriert, wodurch es Ihnen erlaubt wurde, eine wichtige Rolle in der Evolution zu spielen. 

 

 

Menschliche Darstellung in der Höhle von Lascaux © Klaus Schindl
Menschliche Darstellung in der Höhle von Lascaux © Klaus Schindl

Menschen sind klassische Rudeltiere - generationenlang haben wir zusammengearbeitet und unsere Fähigkeiten kombiniert, um unsere kollektiven Lebensumstände zu verbessern. 

 

Dies dürfte allerdings nicht immer so gewesen sein - laut der neuen Studie dürfte diese gruppenorientierte Einstellung, welche auch als "kollaborative Moral" bezeichnet wird, erst vor etwa 100.000 Jahren durch eine subtile evolutionäre Veränderung aufgetreten sein. Durch die Verlagerung der Konzentration von den Charaktereigenschaften eines Menschen auf seine Fähigkeiten und Fertigkeiten, ermöglichte es die kollaborative Moral, eine soziale Nische für eine demographische Gruppe zu eröffnen, die zuvor vermutlich aus der Gesellschaft verbannt wurde – Menschen mit Autismus.

 

Das Forscherteam nimmt an, dass diese nun, anstatt zurückgelassen zu werden, eine wichtige Rolle in ihren sozialen Gruppen aufgrund ihrer einzigartigen Eigenschaften einnehmen konnten. Dies ermöglichte es Ihnen, auf Dauer ein wichtiger Teil der menschlichen Entwicklung und Evolution zu werden. 

 

So erklärte Penny Spikins, eine Dozentin für die Archäologie der Ursprünge der Menschheit an der University of York und Hauptautorin der Studie, dass Diversität und Unterschiede zwischen Menschen vermutlich eine weitaus größere Rolle in der menschlichen Evolution gespielt haben dürften, als etwa die Charaktereigenschaften einer Person.

 

Genetiker sind jedenfalls davon überzeugt, dass Autismus am Ende einer langen, evolutionären Geschichte steht und vermutlich bereits bei Vorfahren des Homo Sapiens aufgetreten ist.

 

 

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Letzter Tag auf Orkney - Exkremente und Krallen

Abbildung: Fundstück aus des Tomb of the Otters - ein Stein, welcher einem Otterköpfchen ähnelt / © Anita Soós
Abbildung: Fundstück aus des Tomb of the Otters - ein Stein, welcher einem Otterköpfchen ähnelt / © Anita Soós

Besondere Highlights standen uns auch an unserem letzten Tag auf der Insel South – Ronaldsay bevor.

 

Die erste Station brachte uns zum Tomb of the Otters, einem ganz besonderen Cairn der Jungsteinzeit, welcher erst 2010 im Zuge einer Parkplatzerweiterung entdeckt wurde. Diese neolithische Grabstätte ist bis dato die Einzige, in der tatsächlich Bestattungen aus mehreren Nutzungsphasen erhalten sind – diese wurden hier offenbar nicht regelmäßig ausgeräumt, wie es bei den anderen Cairns der Fall war. Da sich in dieser Fundstätte noch dazu seit Jahrtausenden das Wasser sammelte, konnte sich das Skelettmaterial hervorragend erhalten, sodass DNA–Analysen tatsächlich möglich sind – die Ergebnisse dieser werden in den nächsten Jahren sicherlich für Furore sorgen. Hochinteressant ist auch, dass die Grabstätte offenbar während der Benutzung offen gestanden haben dürfte, um Seeottern den uneingeschränkten Zugang zu ermöglichen – dies wird von mächtigen Schichten Otterexkrementen bezeugt, die sich überall um und auf den Bestattungen befinden. Was für uns vielleicht befremdlich erscheinen mag, war in der Jungsteinzeit möglicherweise wichtiger Bestandteil der Totenrituale: Der Otter könnte das Totemtier der hier bestatteten Sippe gewesen sein, weshalb es ihnen gestattet wurde, die Verstorbenen nach Ihrem Tod abzunagen – der Mensch nimmt zeitlebens von der Natur, nach dem Tode gibt er etwas zurück. Ähnliche Sitten gibt es auch heute noch z.B. bei tibetischen Buddhisten, welche ihre Toten oft auf einer erhöhten Plattform den Raubvögeln darbieten. 

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5. Tag auf Orkney - Wanderlust!

Abbildung: Bucht von Rackwick auf Hoy / © Anita Soós
Abbildung: Bucht von Rackwick auf Hoy / © Anita Soós

Unser vorletzter Tag wurde von manchen gefürchtet, von anderen sehnlichst erwartet: der Wandertag auf Hoy!

 

Wenig Archäologisches lässt sich auf dieser Nachbarinsel von Mainland mit menschlichen Augen entdecken, da ein großer Teil ihrer Fläche seit der späten Bronzezeit von einer mächtigen Schicht Torfmoor bedeckt wird – die Schätze, die sich darunter verbergen mögen, lassen sich nur durch Vorstellungskraft erahnen.

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Tag 4 auf Orkney - Russische Kälte und Ausflug in die Eisenzeit

Abbildung: Klaus auf den überwucherten Ruinen des "russischen" Brochs / © Anita Soós
Abbildung: Klaus auf den überwucherten Ruinen des "russischen" Brochs / © Anita Soós

Am nächsten Tag ging es nach Russland.

 

Ja – ihr habt richtig gehört: Russland. Zwar nicht das Russland, an dessen Invasion auch Napoleon bitterlich scheiterte, aber man schreibt es gleich und genauso kalt war es auch.

 

Dort befindet sich jedenfalls ein weiterer Broch auf einer kleinen Halbinsel in einem der zahlreichen Seen von Mainland, der unsere Aufmerksamkeit verdient hat. Nach einem ziemlich abenteuerlichen Weg durch den sumpfigen Dschungel von Orkney standen wir auf einmal mitten in den Ruinen des eisenzeitlichen Wohn-/Wehrturms. Von Klaus erfuhren wir, dass dies allerdings kein klassischer, zweischalig gebauter, Broch ist, sondern vermutlich ein Vorgänger davon – ein sogenanntes Roundhouse. Letztere waren von der Bauart her vermutlich niedriger als ihre jüngeren Brüder, denn erst durch die doppelte Mauerführung wurde es möglich, höhere Bauten zu errichten. Leider ist von diesem Roundhouse allerdings nicht mehr viel sichtbar, denn nach der Grabung im späten 19. Jahrhundert wurde die Stätte wieder der Natur überlassen und alsbald von wucherndem Pflanzenmaterial und Sumpf zurückerobert. 

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Tag 3 der Orkney- Studienreise: Veni, vidi ... exterminavi?

Abbildung: Blick von der Fähre Richtung Mainland / © Anita Soós
Abbildung: Blick von der Fähre Richtung Mainland / © Anita Soós

 

 

Am 3. Tag unserer Studienreise stand die Insel Rousay (sprich: Row-see) auf dem Programm – ein wahres Paradies an dicht gepackten Fundstellen!

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Tag 2 unserer Orkney- Studienreise: Von Hügeln umgeben und von Erde bedeckt

Abbildung: Gut erhaltener Chambered Cairn - von Außen nur als Hügel zu erkennen / © Anita Soós
Abbildung: Gut erhaltener Chambered Cairn - von Außen nur als Hügel zu erkennen / © Anita Soós

Eigentlich hätten wir nach dem 1. Tag schon heimfliegen können, denn die großen Attraktionen von Orkney hatten wir uns schon angesehen, scherzte Klaus am nächsten Morgen.  

Tatsächlich wären uns aber dann die geheimen Schätze der Inseln verborgen geblieben, denn wie Insider wissen, findet man die schönsten Ziele sowieso nicht im Reiseführer!

 

Den zweiten Tag widmeten wir also den sogenannten Chambered Cairns und anderen Funeralbauten. 

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Jenseits und Diesseits - ein Reisebericht zum urgeschichtlichen Orkney

Im Mai 2016 machten sich Reiseleiter Klaus und Anita auf, gemeinsam mit einer kleinen Gruppe von Archäologiebegeisterten die rauhen Orkneyinseln, welche 16 km nördlich der schottischen Westküste in der Nordsee gelegen sind, zu erkunden.

Abbildung: Unsere Gruppe vor den Stones of Stenness / © Klaus Schindl
Abbildung: Unsere Gruppe vor den Stones of Stenness / © Klaus Schindl

Eines gleich vorweg – die Gerüchte stimmen: es IST kalt und windig!

 

Abgesehen davon hatten wir aber sehr viel Glück, denn Regenwolken ließen sich doch nur selten blicken und der eine oder andere Sonnenbrand war dann auch dabei! 

 

An unserem ersten Tag nach der Ankunft ging es gleich los zu den Stones of Stennes, wo wir von strahlendem Sonnenschein und ausreichend Schattenplätzchen unter den gewaltigen stehenden Steinen, die gemeinsam einen der frühesten neolithischen Steinkreise in Großbritannien bilden, begrüßt wurden. Im 19. Jahrhundert dürften die schattenspendenden Steine den damaligen Grundbesitzer jedoch so geärgert haben (wer braucht schon Schatten auf den eisigen Orkneys!), dass er sich kurzerhand daran machte, sie mithilfe von Ochsen aus der Erde zu ziehen. Der sogenannte "Odin Stone" in der Nähe des Kreises wurde dabei leider zerstört.

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Ein Wochenende in der Urgeschichte

Hineinschnuppern in das Handwerk längst vergangener Zeiten im Freilichtmuseum Elsarn

Abbildung: Freilichtmuseum Elsarn in NÖ/ © R. Manoutschehri/ ARGE Archäologie
Abbildung: Freilichtmuseum Elsarn in NÖ/ © R. Manoutschehri/ ARGE Archäologie

Letztes Wochenende durften wir mit einem der Gewinner des YoungScience Wettbewerbes "Österreich sucht die Zukunftsidee" ein Wochenende in der Vergangenheit verbringen.

 

Der 13-jährige Fabian aus Graz hatte mit seiner Idee, ein Skateboard mit einem Dynamo so auszustatten, dass während der Fahrt das Handy damit aufgeladen werden kann, die Jury richtig beeindruckt und bekam die Möglichkeit, sich an zwei Tagen im Freilichtmuseum Elsarn unter Betreuung der ARGE Archäologie so richtig auszutoben:

  

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Paläolithische Bildhöhle Chauvet

Neue Radiokarbondaten liefern genaueren Einblick in die Nutzungsphasen

Ein in schwarz gemaltes Nashorn in der Höhle von Chauvet (Inocybe auf fr.wikipedia)
Ein in schwarz gemaltes Nashorn in der Höhle von Chauvet (Inocybe auf fr.wikipedia)

Ein am Montag veröffentlichter Artikel in Proceedings of the National Academy of Sciences bringt neue Klarheit über das Alter der bisher vermutlich ältesten Höhlenmalereien Europas.

 

Zur Beprobung wurden ausschließlich die schwarzen Bilder herangezogen, da diese vor Jahrtausenden mit Kohle als Farbstoff von unseren Vorfahren auf die Höhlenwände aufgetragen wurden. Kohle lässt sich mittels Radiokarbondatierung (oder auch C14 – Datierung genannt) auf ihr Alter überprüfen, wodurch sich feststellen lässt, in welchem Zeitraum die Kunstwerke, die unter Anderem eiszeitliche Tiere wie Wildpferde, Nashörner, verschiedene Großkatzenarten und sogar Eulen darstellen, ungefähr erschaffen wurden. Dies kann allerdings auch problematisch sein, falls die Künstler der Altsteinzeit nicht nur Kohle von ihren eigenen, sondern auch sehr viel älteren Feuerstellen benutzten, was sich jedoch von unserem heutigen Standpunkt aus schwer, bzw. gar nicht feststellen ließe. Die Wahrscheinlichkeit hierfür wird von Wissenschaftlern tatsächlich als eher gering eingestuft.

Jedenfalls lieferten die Proben der schwarzen Bilder eine Serie von über 250 Radiokarbondaten, die auf eine saisonale Nutzung der Höhle während zweier unterschiedlicher Zeitphasen, welche mehrere Jahrtausende auseinanderliegen, hindeuten.

 

Die erste Nutzungsperiode dürfte zwischen 37.000 und 33.500 Jahren vor heute stattgefunden haben. Ein zweites Mal wurde die Höhle sodann vermutlich mit einer Nutzungsdauer von 2.000 bis 3.000 Jahren zwischen 31.000 und 28.000 Jahren vor heute immer wieder von unseren Vorfahren aufgesucht.

 

 

Der Benutzung der Höhle könnte schließlich ein Felsrutsch ein Ende bereitet haben – Wissenschaftler gehen davon aus, dass sie vor ihrer Entdeckung 1994 bereits seit über 27.000 Jahren nicht mehr betreten worden war. 

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Neue Exkursionsziele für die ARGE

Wüstung Wilantesdorf und die sogenannten"Schwedenhöhlen"

Abbildung: Klaus und Anita vor den Schwedenhöhlen (Klaus Schindl)
Abbildung: Klaus und Anita vor den Schwedenhöhlen (Klaus Schindl)

Unsere Reiseleiter Klaus und Anita haben sich letztes Wochenende aufgemacht um für euch nach neuen Exkursionszielen zu suchen, die auch von Wien aus leicht erreichbar sind.

Nach ein wenig Recherchearbeit stößt Klaus, der sich sehr für Wüstungsforschung in Niederösterreich interessiert, auf die Wüstung Wilantesdorf nördlich von Stockerau im Rohrwald getroffen sowie die benachbarten „Schwedenhöhlen", die vermutlich der Dorfbevölkerung als Zufluchtsort gedient haben dürften.

 

Ungefähr eine halbe Stunde von Wien entfernt, ist die Fundstelle der ehemaligen Siedlung Wilantesdorf am Besten mit dem Auto und anschließend einem gemütlichen Spaziergang vom Parkplatz des „Goldenen Brünndls“ aus erreichbar.

 

Versteckt zwischen den Bäumen einer jungen Forstwirtschaft lassen sich mit geschultem Blick auch heute noch die Reste vom Bruchsteinmauerwerk der wüst gefallenen Gehöfte, von welchen um die 18 durch eine systematische Begehung durch den Wüstungsforscher Kurt Bors 1991 festgestellt wurden, erkennen. An manchen sind auch noch Brandspuren feststellbar – die Wüstung wurde vermutlich von plündernden Ungarn im 15. Jahrhundert vernichtet. Davon zeugen auch zahlreiche Armbrustbolzen und Bleikugeln, wie sie um 1500 verwendet wurden, deuten auf ein unfreundliches Schicksal der Dorfbevölkerung hin. Hätten die Einwohner das Dorf auch im Zuge einer geplanten Evakuierung verlassen, wären wohl auch nicht Metallgegenstände in so großen Mengen zurückgelassen worden, wie sie bei Aufsammlungen von Kurt Bors immer wieder zu Tage traten – Metall wäre zu diesen Zeiten sehr wertvoll gewesen.

 

Dichtes Gestrüpp, das die zahlreichen noch vorhandenen, scheinbar zum Dorfplatz führenden, Altwegesysteme überzieht, sorgt für einige „patscherte“ Momente.

Auch ein ehemaliger kleiner Dorfteich, der sich rundherum durch sumpfiges Terrain auszeichnet, kann zu einer nassen Falle für begeisterte Archäologen werden, die aufgeregt zwischen den teilweise noch erahnbaren Hausgrundrissen umherlaufen.

 

Schließlich finden sie auch einen Erdtrichter mit wallartigem Aufwurf am Rand. Der Anblick erinnert ein wenig an einen Bombentrichter, was allerdings an diesem Ort ein wenig überraschend wäre. Später finden sie durch einen Artikel von Kurt Bors in den Beiträgen zur Mittelalterarchäologie in Österreich heraus, dass der Trichter schon im Mittelalter bestanden haben müsste und es sich eventuell sogar um die Unterkellerung eines Turmes gehandelt haben könnte, dessen Hausmauern abtransportiert worden sind. Die von Bors vor Ort aufgefundene Keramik wies jedenfalls sekundäre Brandspuren auf.

 

Schon bei der Begehung des riesigen Areals fällt auf, dass es sich bei Wilantesdorf vermutlich nicht um ein „Kuhkaff“ gehandelt haben dürfte; im Jahre 1360 werden in den Urbaren des Stiftes Klosterneuburg 50 Einwohner und ein eigenes Wirtschaftsamt erwähnt, welchem auch die Lehen von Niederhollabrunn unterstellt gewesen waren. Im Fundspektrum schlägt sich letzteres auch durch die Anwesenheit von rotbemalter Importkeramik nieder. Erstmalige Erwähnung findet Wilantesdorf übrigens bereits 1114, was allerdings bisher nicht durch entsprechende Funde zweifelsfrei nachgewiesen werden konnte.

 

Generell müsste dringend gegraben werden. Das finden auch Klaus und Anita, denen es bereits unter den Fingern brennt – Wilantesdorf würde bestimmt spannende Erkenntnisse für die Wüstungsforschung bringen – aber einstweilen müssen wir uns wohl mit Exkursionen begnügen.

 

 

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