DNA liefert Hinweis auf die Entwicklung von menschlichem Gehirn

Homo Erectus war maßgeblich an der Verbreitung von Gen ARHGAP11B in weiten Teilen der Erde beteiligt / © Thomas Roche - Wikimedia Commons
Homo Erectus war maßgeblich an der Verbreitung von Gen ARHGAP11B in weiten Teilen der Erde beteiligt / © Thomas Roche - Wikimedia Commons

Menschen könnten laut neuester Forschung ihre großen Gehirne einem „Tippfehler“ in ihrem genetischen Code verdanken.

 

Diese genetische Mutation dürfte auch bei unseren evolutionären Cousins – den Neandertalern und Denisova Menschen vorgekommen sein, obgleich sie bei unseren nächsten, heute noch lebenden Verwandten – den Schimpansen – fehlt.

Warum dem so ist und wie die Entwicklung des menschlichen Gehirnes evolutionsbiologisch zu betrachten ist, erforschen derzeit Wissenschaftler im Team von Victor Borrell Franco am Institut für Neurowissenschaften in Alicante, Spanien.

 

Im Laufe ihrer Evolution entwickelten offenbar frühe Menschenarten größere und komplexere Gehirne, welche mehr Information verarbeiten und speichern konnten.

 

2015 gelang es bereits Forschern am Max Planck Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden, ein menschliches Gen namens  ARHGAP11B zu identifizieren, welches für die Vergrößerung einer der wichtigsten Gehirnregionen – der sogenannten Neocortex – verantwortlich sein könnte.

 

Entwickelt haben dürfte sich das Gen vor fünf oder sechs Millionen Jahren, nachdem sich die menschlichen Vorfahren auf dem evolutionären Stammbaum von jenen der Schimpansen getrennt hatten, in dem es sich bei der Fortpflanzung unvollständig duplizierte.

 

Diese punktuelle Mutation veränderte die Funktion des Gens offenbar auf jene Art und Weise, dass sie ausschlaggebend für die Vergrößerung der Neocortex durch die rapide Zunahme der Gehirnzellen in dieser Region war.

 

Dr. Wieland Huttner vom Max Planck Institut für Molekulare Zellbiologie und Genetik ist sich jedenfalls sicher, dass die Mutation, welche sich im menschlichen Genom verankerte und somit heute allen Menschen gleich ist, einen gewaltigen Selektionsvorteil geboten haben musste und sich deshalb so rasch unter menschlichen Populationen verbreiten konnte.

 

Kurz nach dem erstmaligen Auftreten des Gens, zwischen fünf und 2 Millionen Jahren, begannen die Vorfahren unserer Art aufrecht zu gehen und einfache Werkzeuge herzustellen, was ihnen dabei half, sich auf der Welt zu verteilen und sich an verschiedene Umwelten anzupassen.

 

Ab etwa 800.000 Jahren vor heute vergrößerte sich das Gehirn weiter, was ausschlaggebend für die Fähigkeit, in einer sich stetig verändernden Welt zu überleben, gewesen sein dürfte.

 

 

Trotz dieser neuen Erkenntnisse bleiben allerdings noch viele Fragen über die Entwicklungsgeschichte menschlicher Gehirne offen. Ziemlich sicher ist jedoch, dass dieses Gen eines der Komponenten ausmacht, welche Menschen ihre einzigartige Intelligenz und Denkfähigkeit verleiht. 

 


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