Paläolithische Bildhöhle Chauvet

Neue Radiokarbondaten liefern genaueren Einblick in die Nutzungsphasen

Ein in schwarz gemaltes Nashorn in der Höhle von Chauvet (Inocybe auf fr.wikipedia)
Ein in schwarz gemaltes Nashorn in der Höhle von Chauvet (Inocybe auf fr.wikipedia)

Ein am Montag veröffentlichter Artikel in Proceedings of the National Academy of Sciences bringt neue Klarheit über das Alter der bisher vermutlich ältesten Höhlenmalereien Europas.

 

Zur Beprobung wurden ausschließlich die schwarzen Bilder herangezogen, da diese vor Jahrtausenden mit Kohle als Farbstoff von unseren Vorfahren auf die Höhlenwände aufgetragen wurden. Kohle lässt sich mittels Radiokarbondatierung (oder auch C14 – Datierung genannt) auf ihr Alter überprüfen, wodurch sich feststellen lässt, in welchem Zeitraum die Kunstwerke, die unter Anderem eiszeitliche Tiere wie Wildpferde, Nashörner, verschiedene Großkatzenarten und sogar Eulen darstellen, ungefähr erschaffen wurden. Dies kann allerdings auch problematisch sein, falls die Künstler der Altsteinzeit nicht nur Kohle von ihren eigenen, sondern auch sehr viel älteren Feuerstellen benutzten, was sich jedoch von unserem heutigen Standpunkt aus schwer, bzw. gar nicht feststellen ließe. Die Wahrscheinlichkeit hierfür wird von Wissenschaftlern tatsächlich als eher gering eingestuft.

Jedenfalls lieferten die Proben der schwarzen Bilder eine Serie von über 250 Radiokarbondaten, die auf eine saisonale Nutzung der Höhle während zweier unterschiedlicher Zeitphasen, welche mehrere Jahrtausende auseinanderliegen, hindeuten.

 

Die erste Nutzungsperiode dürfte zwischen 37.000 und 33.500 Jahren vor heute stattgefunden haben. Ein zweites Mal wurde die Höhle sodann vermutlich mit einer Nutzungsdauer von 2.000 bis 3.000 Jahren zwischen 31.000 und 28.000 Jahren vor heute immer wieder von unseren Vorfahren aufgesucht.

 

 

Der Benutzung der Höhle könnte schließlich ein Felsrutsch ein Ende bereitet haben – Wissenschaftler gehen davon aus, dass sie vor ihrer Entdeckung 1994 bereits seit über 27.000 Jahren nicht mehr betreten worden war. 

Höhlenbär in rotem Ocker in der Höhle von Chauvet (Jean-Michel Geneste, Ministerium für Kultur und Kommunikation Paris)
Höhlenbär in rotem Ocker in der Höhle von Chauvet (Jean-Michel Geneste, Ministerium für Kultur und Kommunikation Paris)

 

Es hatte sich bei Chauvet übrigens nicht um eine Wohnhöhle von Homo Sapiens gehandelt, erklärten Anita Quiles vom Französischen Institut für Archäologie des Orients und Jean-Michel Geneste vom Ministerium für Kultur und Kommunikation in Paris, die sich für die Verfassung des besagten Artikels verantwortlich zeichnen.

Sie vermuten, dass die erste Gruppe von Jägern und Sammlern die Höhle ausschließlich für kulturelle Zwecke aufsuchte und die ältesten schwarzen Bilder von Großsäugern anfertigten. Mehrere Jahrtausende später besuchte dann eine andere Kulturgruppe die Höhle. Die meisten Bilder scheinen jedoch von der ersten Gruppe zu stammen - von den 23 beprobten Gemälden konnten lediglich zwei der jüngeren Kulturgruppe zugeordnet werden.

 

Menschen waren allerdings nicht die Einzigen, die die Höhle regelmäßig aufsuchten. Höhlenbären hätten zwischen 48.500 und 33.300 Jahren vor heute die Höhle in den Wintermonaten für den Winterschlaf aufgesucht und Kratzspuren an den Wänden hinterlassen – wobei es aber vermutlich nicht zu unliebsamen Begegnungen mit Menschen gekommen sein dürfte. Letztere hätten die Höhlen wahrscheinlich erst im Frühling betreten, nachdem die Bären sie wieder verlassen hätten – mit einem 400kg schweren Raubtier hätte sich wohl niemand freiwillig angelegt.

 

Unsere Vorfahren haben aber nicht nur Bilder in schwarzer Farbe auf die Höhlenwände gemalt – unter den über 400 Wandbildern befinden sich auch zahlreiche in roter Farbe, die aufgrund stilistischer Merkmale auf ein jüngeres Alter geschätzt werden.  Diese konnten jedoch bislang nicht wissenschaftlich datiert werden, da es noch keine entsprechende Datierungsmethode für den roten Farbstoff, welcher aus Eisenocker/Hämatit angemischt wurde, gibt.

 

 

Die Höhle von Chauvet ist seit 2014 Weltkulturerbe der UNESCO, allerdings aufgrund der Gefahr von Beschädigung der Bilder durch Veränderungen im Höhlenklima der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Die Bilder können jedoch in der Galerie der nahegelegenen Caverne du Pont d’Arc in Form von hochrealistischen Nachbildungen betrachtet werden. 

 

 

Links:

 


 

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Kommentare: 1
  • #1

    Renita Zenz (Sonntag, 05 Februar 2017 09:27)


    Having read this I believed it was really enlightening. I appreciate you finding the time and effort to put this article together. I once again find myself spending a lot of time both reading and leaving comments. But so what, it was still worthwhile!