Neue Studie enthüllt, wie Ernährungsgewohnheiten die menschliche Evolution beeinflussten

Abbildung: American Friends of Tel Aviv University
Abbildung: American Friends of Tel Aviv University

Homo Sapiens, der Vorfahre des modernen Menschen (Homo sapiens sapiens) teilte sich in Europa seine eiszeitliche Lebenswelt mit seinen engen Verwandten, den Neandertalern. Neandertaler waren Homo Sapiens sehr ähnlich und gingen neueren Studien zufolge auch sexuelle Kontakte mit ihnen ein - aber sie unterschieden sich auch in zahlreichen Eigenschaften. Beispielsweise waren sie gedrungener und stämmiger gebaut, mit breiteren Becken und Brustkörben, als jene der modernen Menschen. 

 

Aber woran lagen diese anatomischen Unterschiede? Eine neue Studie der Universität von Tel Aviv (TAU) fand jüngst Hinweise darauf, dass der eiszeitliche Diätplan - mit Fokus auf vielen tierischen Proteinen - der Auslöser für die körperlichen Veränderungen in Becken und Brustkorb bei Neandertalern waren. 

 

Der Studie zufolge musste sich der glockenförmige Brustkorb oder thorax genannt, herausbilden, um eine größere Leber beherbergen zu können. Dieses Organ ist dafür zuständig, große Mengen an Protein zu Energie zu verstoffwechseln. Der so angeregte Stoffwechsel erforderte auch ein erweitertes Harnwegesystem (größere Blase und Nieren) um große Mengen an giftigen Harnstoffen abtransportieren zu können - was wiederum zum breiteren Becken führte. 

 

Neuer Aspekt für die Evolution

 

Die anatomischen Unterschiede in Becken und Brustkorb zwischen modernen Menschen und seinem ausgestorbenen Verwandten sind schon seit etlichen Jahren bekannt, könne aber nun von einem ganz anderen Gesichtspunkt aus betrachtet werden - so Prof. Avi Gopher, Prof. Ran Barkai und PhD Anwärter Miki Ben-Dor, alle vom Institut für Archäologie und Antike Kulturen des Nahen Ostens und Kollaborateure der Studie, welche vor Kurzem im American Journal of Physical Anthropology veröffentlicht wurde.

 

Während der harschen Wintermonate seien Kohlenhydrate kaum und Fette nur bedingt verfügbar gewesen sein. Großwild allerdings, welches die typische Beute für Neandertaler darstellte, florierte regelrecht laut Ben-Dor. Diese Situation hätte eine evolutionäre Anpassung an die hoch proteinhaltige Ernährung zur Folge gehabt - in Form einer vergrößerten Leber, ausgeweitetem Harnwegesystem und ihrer enstprechenden morphologischen Manifestationen. 

 

Im 2011 erschienenen Artikel über das Aussterben von Homo Erectus (einem Vorfahren von Neandertaler und modernen Menschen) in der Levante war man bereits zur Erkenntnis gekommen, dass Ernährung eine zentrale Rolle in der menschlichen Evolution gespielt haben dürfte, wie Prof. Barkai erklärte. Damals wäre argumentiert worden, dass der Verzehr von großen Mengen an Fett eine der wichtigsten Lösungen zu Problemen, die die Humanevolution aufwarf, darstellte. Menschen können nämlich nur eine bestimmte Menge an Protein zu Energie verstoffwechseln - Protein stellt so lediglich 30% ihrer gesamten Nahrung dar. Die Lösung für das Problem war also, mehr Fett und Kohlehydrate zu verzehren, wenn sie saisonal verfügbar waren. 

 

Bezüglich der Neandertaler kamen die Wissenschaftler zum Schluss, dass ein akuter Mangel an Kohlehydraten und eine beschränkte Menge an Fett der Auslöser für eine Anpassung an eine hoch proteinhaltige Ernährung waren. 

 

Hinweise auf den Grund für das Aussterben der Neandertaler

 

Zahlreiche Tierversuche haben bereits demonstriert, dass eine Diät mit erhöhter Proteinzufuhr mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer vergrößerten Leber und Nieren führt. Frühe indigene arktische Völker, welche sich hauptsächlich von Fleisch ernährten, wiesen ebenfalls eine vergrößerte Leber und die Tendenz zur vermehrten Aufnahme von Wasser auf, was wiederum auf ein ausgeweitetes Hanrwegesystem hindeute, so Ben-Dor.

 

Den Wissenschaftlern zufolge könnte die Antwort auf die Frage nach dem Grund für das Aussterben der Neandertaler in ihrer kompletten Abhängigkeit von Großwild zur Deckung ihres Fett- und Proteinbedarfs liegen. Das Aussterben unserer nahen Verwandten fällt nämlich in ungefähr die selbe Zeitstellung, wie das kontinuierliche Aussterben der sogenannten eiszeitlichen "Megafauna"- zu der auch Mammut, Wollnashorn und Riesenhirsch zählten - welche in Europa um ca. 50.000 Jahren vor heute begann und um etwa 12.000 Jahren vor heute mit dem Übergang vom geologischen Zeitalter des Pleistozäns ins Holozän ihr Ende nahm.  

 

 

Links: 

 

Man darf also gespannt bleiben! 

 

Übrigens: Es sind noch 2 Plätze für unsere Studienreise "auf den Spuren der Neandertaler und frühen modernen Menschen Westeuropas" frei, in der wir gemeinsam das Périgord nach Fundstellen durchforsten, welche sonst nicht öffentlich zugänglich sind, spannenden anthropologischen Vorträgen lauschen und die Französische Küche genießen. 


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